Die neuen Schlossherren von Oberlichtenau (Sächsische Zeitung - Kamenz)

Von Carolin Barth, Sächsische Zeitung

Ein Schloss ohne Leute, ist kein richtiges Schloss, sagt das Ehepaar Holthuizen. Die neuen Schlossherren wollen sich nicht hinter ihren dicken Schlossmauern abkapseln, sie wollen als Oberlichtenauer am Gemeindeleben teilhaben und dafür ihre wuchtigen Tore öffnen. Nach vier Monaten intensiver Verhandlungen unterschrieben die Holländer im Oktober den Kaufvertrag.

Noch in dieser Woche wird der letzte Betrag der Kaufsumme überwiesen. Stimmen Rechtsaufsicht und Förderbehörden zu, ist der Kauf perfekt. „Ein Schloss war unser Traum, wir haben einige besichtigt. Meine Frau entdeckte dieses im Internet. Im Juni waren wir das erste Mal da. Auf Anhieb beeindruckte uns das Schloss, es ist so voller Anmut und Grazie“, sagt der 63-jährige Harm Holthuizen, ein ehemaliger Berufsoffizier und später selbstständiger Unternehmer in der Logistikbranche. Das Barockschloss wird ihr Alterssitz. So schnell wie möglich möchten sie heimisch werden. Ihr Haus in Eindhoven ist verkauft, gerade packen sie ihre Koffer. In der letzten Novemberwoche werden die Neu-Oberlichtenauer mit ihren Möbeln ankommen. „Erstmal ziehen wir ein, dann kümmern wir uns um die Sanierung der Wohnung. Es muss einiges getan werden“, so Ank Holthuizen. Die Wände bekommen einen frischen Anstrich, der Fußboden wird aufgepeppt. Danach stehen größere Bauvorhaben an, vor allem kostenspieligere.

Mindestens eine halbe Million Euro muss das Ehepaar in den nächsten fünf Jahren investierten. Mit dem Kauf verpflichten sich die Holzhuizens, das Dach zu sanieren und den Keller trocken legen zu lassen. In einigen Räumen schleicht der Schimmel die Wände hinauf. „Bei der Sanierung wollen wir den Charakter des Schlosses erhalten“, so Harm Holthuizen. Nicht vollständig perfekt angemalt soll es aussehen, der Charme des Alten wird bewahrt. Der Barocksaal als einzig gut erhaltender Saal wird bis auf kleine Ausbesserungen so bleiben. „Mit Trauungen wollen wir schnell beginnen“, sagt die 61-jährige Ank Holthuizen. Zeitnah wird der Gartensaal renoviert, von dessen einstiger Pracht noch die verblasste Blumenmalerei an der Decke und die übermalte Holzvertäfelung zeugen. „Er wird ein toller Festsaal für Hochzeits- und Familienfeste oder Firmentagungen.“ Eine Hochzeitssuite sowie Zimmer für Übernachtungen werden eingerichtet. Schon jetzt steht fest, dass die Gemeinde Schlossräume gegen Gebühr für Veranstaltungen nutzen wird. Zum Konzept der Holthuizens gehören Konzerte, Lesungen und Kunstausstellungen. „Mir schwebt für später ein Museum vor, in dem wir die lange Geschichte des Barockschlosses zeigen“, so Harm Holthuizen. Die Parkanlage bleibt für jedermann zugänglich.

 

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 27. April 2010 um 23:02 Uhr